Biografieprojekt: Famoudou Konaté

Famoudou Konaté, *1940 in Sangbaralla/Guinea (Westafrika) , ist einer der bedeutenden Exponenten der Malinké-Musikkultur. Seine Jugend verbrachte er als Dorftrommler und Feldarbeiter in seinem Geburtsort. Anfang der 1960er Jahre, nachdem das Land seine Unabhängigkeit erlangt hatte,  wurde er 1. Solist des Ensembles Ballets Africains de la République de Guinée, mit dem er 25 Jahre lang um die Welt reiste. 1986 machte er sich selbständig und widmet sich seither dem Unterrichten und Konzertieren. Außerdem rekonstruierte er die Musik, wie er sie in seiner Jugend kennengelernt hatte, und sicherte sie in einer Reihe von CD-Produktionen. 

Ich lernte Famoudou Konaté 1994 in Gambia kennen, wohin ihn Prof. Dr. Volker Schütz zu einem Workshop für deutsche Lehrer*innen und Studierende eingeladen hatte. Es kam zur Zusammenarbeit, auch im Rahmen der Jazz- und Lehrer*innenausbildung der Hochschule der Künste Berlin, die ihn 1997 zum Honorarprofessor ernannte. 

Von dieser Zeit an schrieb Konaté anderthalb Jahrzehnte lang Notizen zu seiner Biografie, Kultur und Musik, die er mir schließlich übergab. Die Übersetzung, Redaktion und Kompilation der ca. 700 Notate ist inzwischen abgeschlossen. Ihre Publikation auf Deutsch, Englisch und Französisch soll perspektivisch in ein größeres Projekt zur Sicherung seines Erbes eingebunden werden, das auch Interviews, Konzertfilme, Workshopmitschnitte und über 100 Tonaufnahmen umfassen wird.

Bisherige Publikationen zum Projekt: 

Thomas Ott: Metamorphosen. Über Famoudou Konatés autobiografische Aufzeichnungen. In: Diskussion Musikpädagogik 75 (2017). Lesen

Famoudou Konaté / Thomas Ott: Rhythmen und Lieder aus Guinea. (Buch und CD). Oldershausen (Lugert Verlag) 1996.

Rhythms and Songs from Guinee. (Book and CD). Oldershausen 2000

Rhythmes et Chansons de la Guinée. (Livre et CD). Paris (Edition Van de Velde) 2003

Mehr zur Musik in Guinea: 

Thomas Ott: Die Musik der Nyamakala im Fouta Jallon. Ein narratives Puzzle. In: Andreas Eichhorn und Helmke Jan Keden (Hg): Musikpädagogik und Musikkulturen. Festschrift für Reinhard Schneider. Musik – Kontexte – Perspektiven Bd. 4 = Schriftenreihe der Institute für Musikpädagogik und Europäische Musikethnologie an der Universität zu Köln. München (Allitera) 2013, S. 315 – 330 Lesen

(In diesem Artikel beschreibe ich die – im Vergleich zu den Malinké, denen Famoudou Konaté angehört – gänzlich andere Musikkultur der Peulh im benachbarten guineischen Landesteil Fouta Jallon. Ein Erlebnisbericht aus der Bezirkshauptstadt Labé, wo ich von 2000 – 2003 lebte. 

Mehr zu afrikanischer Musik:

Th. O.: Präzision und Ekstase. Versuch über die Sinnlichkeit afrikanischer Musik. In: Musikforum Juli-September 2007, S. 38-41

Th. O.: Mit Heinrich Jacoby in Afrika oder: Was kann unsere Musikpädagogik von einer schriftlosen Musikkultur lernen? In: Helmut Rösing / Jürgen Terhag (Hg.): Crossover. Populäre Musik zwischen Wissenschaft und Pädagogik. Karben (Coda) 1999 (auch in: diskussion musikpädagogik 3, Velber 1999) Lesen

Auch als: Zurück zur Papageienmethode? Oder: Was kann unsere Musikpädagogik von einer schriftlosen Musikkultur lernen? In: Diskussion Musikpädagogik 4 (1999)

Th. O.: Rhythmische Vexierspiele. Dununbè – der „Tanz der Starken Männer“ bei den Malinké in Guinea. In: Musik und Unterricht 50 (1998)

Standardwerke:

Eric Charry: Mande Music. Traditional and Modern Music of the Maninka and Mandinka of Western Africa. Chicago and London (The University of Chicago Press) 2000 

Bram Posthumus: Guinea. Masks, Music and Minerals. London (Hurst & Company) 2016. (Es geht darin um weit als um Masken, Musik und Bodenschätze – ein Buch mit einer Fülle von Informationen über das Land, seine Geschichte von  der Kolonialzeit bis zur Gegenwart, und über Musik im politischen Zusammenhang seit der Unabhängigkeit).

Prof. em. Dr. Thomas Ott

Institut für Musikpädagogik
der Humanwissenschaftlichen Fakultät
der Universität zu Köln
Gronewaldstr. 2
50931 Köln